stellenbewertung

Was ist Stellenbewertung?

Der Begriff Stellenbewertung beschreibt ein standardisiertes Verfahren, das auf der Basis von Stellenanforderungen Positionen innerhalb eines Unternehmens bewertet. Als Synonyme sind Funktionsbewertung sowie Positionsbewertung und dem Englischen entlehnt Job Evaluation und Job Grading üblich. Im deutschsprachigen Raum werden darüber hinaus auch die Begriffe Arbeitsanalyse und Arbeitsbewertung synonym verwendet, die im historischen Kontext allerdings ursprünglich eine andere Bedeutung hatten.

  • Bei der Stellenbewertung wird der relative Wert einer Position ermittelt
  • Positionen mit vergleichbarer Bewertung werden auf gleichem Niveau (= Grade) gezeigt
  • Dabei werden nicht die Positionsinhaber, bisherigen Titel oder Berichtswege bewertet, sondern die konkreten Anforderungen an die Stelle analysiert

Geschichte der Stellenbewertung

Seit der Mensch auf die Idee kam, Arbeit gegen Geldeinheiten zu tauschen, versucht er auszuhandeln, welche Arbeit wie viel wert ist. Im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung und dem Beginn des scientific managements um die Zeit des zweiten Weltkrieges wurde auch die Bewertung von Arbeit (mehr oder weniger) wissenschaftlich systematisiert. Zunächst konzentrierten sich die Systeme auf die Ermittlung von arbeitsplatzbezogenen Anforderungen und die Bewertung von konkreten Tätigkeiten. Eine signifikante Grundlage, die im Europa der 50er Jahre geschaffen wurde, war das Genfer Schema, das bis heute in der Praxis zu finden ist. Ein weiteres Beispiel wäre die Arbeitswerterfassung nach REFA. In den 20er Jahren entstanden, konzentrierte sich das System zunächst auf die Arbeitswertermittlung in der Produktion bei Akkordarbeit und wurde später auch auf kaufmännische Tätigkeiten erweitert.

In den USA ist das Modell der Hay Guide Charts von Dale Purve ein früher Vertreter von Stellenbewertungssystemen, das in seiner anfänglichen Form stark von den Prinzipien des scientific management beeinflusst war.

Diese Systeme fokussierten zumeist eine Bewertung in den
Kategorien:

  • Geistige Anforderungen
  • Körperliche Anforderungen
  • Äußere Arbeitsbedingungen
  • Verantwortung

Doch die Veränderungen der Arbeitswelt und der Gesellschaft allgemein erforderten und erfordern eine Weiterentwicklung der Stellenbewertungssysteme. Weg von der Messung einzelner Tätigkeiten hin zu einer ganzheitlichen Bewertung der Anforderungen an Fachkompetenzen, Verantwortung und Sozialverhalten.

Methoden der Stellenbewertung

Im Laufe der Zeit haben zwei Methoden die größte Verbreitung sowohl in Tarifverträgen als auch in Bewertungssystemen für
Vergütungsvergleiche gefunden. Neben der Verfeinerung der Methoden hat sich auch der Fokus der Analyse von der kleinteiligeren Arbeitsbewertung hin zur ganzheitlichen Stellenbewertung geändert.

Analytische Stellenbewertung

Bei der analytischen Stellenbewertung werden die Anforderungen an die Stelle mit einem System von abgestuften Faktoren ermittelt. Für jeden Faktor werden Punkte vergeben und die Gesamtpunktzahl ergibt die Wertigkeitsstufe der Stelle. Diese Systeme finden sowohl in Tarifverträgen (z.B. ERA) als auch bei unterschiedlichen Anbietern Verwendung.

Besondere Sorgfalt muss auf die Auswahl und Gewichtung der Faktoren gelegt werden, um ein diskriminierungsfreies System zu gestalten. Wird diese Voraussetzung berücksichtigt, zeichnet sich eine analytische Stellenbewertung durch hohe Nachvollziehbarkeit, stringente Begründung der Einstufungen und geringere Subjektivität aus. Eine Herausforderung für zahlenbasierte Systeme ist die Übersetzung qualitativer Anforderungen in berechenbare Punktwerte.

Nicht-Analytische (summarische) Stellenbewertung

Bei der summarischen Stellenbewertung werden die Anforderungen an eine Stelle als Ganzes erfasst. Zu den summarischen Verfahren zählen vor allem Rangfolgeverfahren, in Form von Paarvergleichen oder Rankings über die gesamte Organisation. Hier wird eine Rangfolge der Wertigkeiten der Stellen im direkten Vergleich mit „benachbarten“ Stellen generiert.

Eine sehr häufig anzutreffende Variante ist die Bewertung nach standardisierten Arbeitsbeschreibungen. In der auch als Job Classification bezeichneten Methode werden zunächst die Anzahl der Grades und Ankerpositionen definiert. Im nächsten Schritt werden die weiteren Stellen den passenden Grades zugeordnet.

Summarische Stellenbewertungssysteme sind durch ihre Einfachheit in der Anwendung beliebt und in Tarifverträgen sowie Vergütungsstudien verbreitet. Jedoch stehen sie auch in dem Ruf, nicht frei von Geschlechts- und Altersdiskriminierung zu sein, da bei der globalen Bewertung einer Stelle viele subjektive Entscheidungen einwirken können. Schließlich bedarf es einer aufwändigen Qualitätssicherung, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse über verschiedene Funktionsfamilien oder Branchen hinaus zu gewährleisten.

Die Übersicht Compensation Survey Rosetta Stone bietet eine Orientierungshilfe zum Vergleich von gradar Grades mit Bewertungsstufen aus Vergütungsstudien und Tarifverträgen.

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